02224 / 10548 - Hauptstr. 20a - 53604 Bad Honnef info@frauenzentrum-badhonnef.de

Informationen

Schulung Nein heißt Nein

Frauenzentrum Bad Honnef schult gegen sexualisierte Gewalt 

Am Donnerstag, den 14. November 2019 fand im Frauenzentrum Bad Honnef die erste Schulung zur Rhein-Sieg-Kreis weiten Kampagne „Nein heißt Nein – gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum statt. Das Frauenzentrum hatte mit der finanziellen Unterstützung des Aalkönig Komitees zu dieser kostenfreien Schulung eingeladen. Leider zeigte die Einladung wenig Resonanz in der Bad Honnefer und Königswinterer Karnevalslandschaft, dabei sind die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums davon überzeugt, dass noch dringender Handlungsbedarf besteht:

„Zwei von drei Frauen in Deutschland erleben sexualisierte Gewalt. Gerade im Karneval hören wir immer wieder von Frauen, die beim Feiern schlechte Erfahrungen gemacht haben, das beginnt bei unangemessenen Kommentaren zu ihrem Aussehen, ungewollten Berührungen bis hin zu schweren sexuellen Übergriffen. Wir können Mädchen und Frauen mit diesem Thema nicht allein lassen!“ sagt Julia Haubs, Mitarbeiterin des Frauenzentrums Bad Honnef.

Umso mehr freuten sich die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums, dass der Schatzmeister der Strücher Karnevalsgesellschaft e.V., Helmut Voigt, sich auf die Fahnen geschrieben hat, beim Rosenmontagszug und den darauf folgenden Karnevalsausklang in Thomasberg ein sichtbares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt zu setzen. Gemeinsam mit seiner Frau informierte sich der Karnvelist über sexualisiere Gewalt und ihre Formen und lernte Handlungsstrategien und Tipps gegen übergriffiges Verhalten auf Veranstaltungen kennen. Außerdem nahm Voigt Plakate und Bierdeckel mit nach Thomasberg, so dass dort am Rosenmontag für alle Jecken gut sichtbar zu lesen sein wird: „Nein heißt Nein – wir haben keine Toleranz bei sexuellen Übergriffen!“  

Ein weiterer Schulungstermin im Frauenzentrum ist am Donnerstag, den 5. Dezember 2019 von 18:00 bis 19:30. Anmeldung ist noch möglich im Frauenzentrum Bad Honnef unter 02224-10548 oder info@frauenzentrum-badhonnef.de. Dort können auch Kampagnenmaterialien bestellt und weitere Schulungstermine erfragt werden

Sexualisierte Gewalt

Die Motive von sexualisierter Gewalt sind nicht, wie immer noch oft behauptet wird, ein unbändiger männlicher Sexualtrieb oder der (misslungene) Versuch der Annäherung. Die Motive von sexualisierter Gewalt sind vielmehr Erniedrigung, Einschüchterung und das Demonstrieren von Überlegenheit und Macht. Sexualität ist dabei nicht das eigentliche Ziel, sondern das Mittel.

Als sexualisierte Gewalt sind alle Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung anzusehen.

Dazu gehören:
• anzügliche Bemerkungen und Blicke
• übergriffiges „Anmachen“
• ungewollte Berührungen und Küsse, „Grapschen“
• Exhibitionismus
• das unaufgeforderte Zusenden von Pornographie
• körperliche sexualisierte Gewalt bis hin zur Vergewaltigung.

„Nein heißt Nein!“

„Nein heißt nein“ – gemäß diesem Grundsatz wurde 2016 das Sexualstrafrecht in Deutschland verändert. Der Schutz der sexuellen Selbstbestimmung wurde dadurch wesentlich verbessert. Strafbar sind seitdem alle sexuellen Handlungen, die gegen den erkennbaren Willen einer Person an dieser vorgenommen werden. Dazu gehört nun auch das sogenannte „Grapschen“. Eine Straftat ist es ebenfalls, sexuelle Handlungen an einer Person vorzunehmen, die nicht in der Lage ist, einen Willen zu bilden oder zu äußern (z.B. bei Bewusstlosigkeit) oder deren Willen durch eine Drohung beeinflusst wird (Nötigung).

Die bundesdeutsche Repräsentativstudie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen hat ergeben, dass jede 7. Frau in ihrem Leben strafrechtlich relevante sexualisierte Gewalt erlebt. (Und das war vor der Reform des Sexualstrafrechts, als z.B. das „Grapschen“ noch nicht strafrechtlich relevant war.)
Jährlich werden in Deutschland zwischen 7.000 und 8.000 Vergewaltigungen polizeilich angezeigt. Allerdings belegt die Forschung, dass nur ca. 5% der Frauen, die vergewaltigt wurden, diese auch anzeigen. Eine Vielzahl von gesellschaftlichen Mythen und Vorurteilen (z.B. „Frauen sind an sexuellen Übergriffen selbst schuld“) bewirken noch immer, dass ein Großteil der Opfer vor einer Anzeige zurückschreckt.

Mit unseren Präventionsprojekten gegen sexualisierte Gewalt Link wollen wir die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und über gesellschaftliche Missstände, Hilfsangebote und Handlungsmöglichkeiten aufklären. Wir tun unser Bestes, um Frauen und Mädchen vor sexualisierter Gewalt zu schützen.